Frei verfügbar Übersichtsartikel

Brustkrebs

In dieser Übersichtsarbeit lesen Sie die wichtigsten Fakten rund um das Thema Brustkrebs. Informieren Sie sich von der Ätiologie, Diagnostik und Therapie bis zum Brustkrebs in der Schwangerschaft und beim Mann über die vielen Aspekte der Erkrankung.

BERLINSTOCK - AdobeStock

 

Vorkommen

Das Mammakarzinom ist die häufigste bösartige Erkrankung der Frau. Es ist das häufigste Karzinom überhaupt. In Deutschland ist mit 71.000 Neuerkrankungen und mit 17.000 Todesfällen3 pro Jahr zu rechnen.

Die Inzidenz des Mammakarzinoms steigt kontinuierlich mit dem Alter: Die Inzidenz der Neuerkrankungen liegt bei 30–35-jährigen bei 22 unter 100.000 gleichaltrigen Frauen, bei 40–45-jährigen bei 138, bei 60–65-jährigen bei 232 und bei 75–80-jährigen bei 288 von 100.000 Frauen. Erkranken Frauen dabei früh an Brustkrebs (zwischen 35 und 55 Jahren), ist die Sterberate am höchsten. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 63 Jahren.3

Zum Seitenanfang

 

Ätiologie

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für ein Mammakarzinom:

  • Alter > 60 Jahre
  • Menarche < 12 Jahre
  • keine oder späte ( > 30 Jahre) Schwangerschaft
  • vorangegangenes Mammakarzinom
  • Hohe Mammografie-Dichte: > 50  % der gesamten Brust
  • Mammakarzinom-Fälle in der Familie
  • Vorangegangene Bestrahlung des Oberkörpers
  • BRCA 1,2-Mutation.

In 5  % aller Brustkrebsfälle liegt eine genetische Prädisposition vor. Darauf weist besonders ein frühes ( < 40 Jahre) Auftreten bei nahen weiblichen Verwandten hin. Bei über 90  % aller hereditären Mammakarzinome wurden Mutationen im BRCA-1-Gen nachgewiesen. Frauen mit einer solchen Mutation haben in ihrem Leben ein 80  %iges Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken und ein 60  %iges Risiko, ein Ovarialkarzinom zu bekommen.

Von diesen Risikofaktoren unterscheidet man sogenannte Determinanten. Diese sind im Gegensatz zu den Risikofaktoren beeinflussbar.

  • Positive Determinanten: Ballaststoffreiche Ernährung, Bewegung und Sport ( > 7 Stunden/Woche), Stillen
  • Negative Determinanten: Orale Kontrazeptiva, Hormonersatztherapie, Rotes Fleisch, Alkohol, Rauchen

Die Rolle hormoneller Einflüsse auf das Brustkrebsrisiko ist enorm, dafür spricht z.B. das geringe Brustkrebsrisiko bei Frauen, die noch vor dem 20 Lebensjahr schwanger werden. Oder bei kinderreichen Müttern, die lange gestillt haben. Auch Frauen, deren Hormonproduktion durch eine Hemmung der Eierstöcke unterbunden wurde, haben ein geringeres Mammakarzinomrisiko. An der Frage, ob die Pille über Jahre eingenommen das Brustkrebsrisiko erhöht, scheiden sich dagegen die Geister. Viele renommierte Studien sprechen dagegen. Dennoch sollten alle Frauen, die langdauernd Östrogene einnehmen oder unter hormonaler Kontrazeption stehen, auch regelmäßig ihre Brust untersuchen lassen.

Zum Seitenanfang

 

Formen

Das Mammakarzinom geht von den Epithelzellen der Milchgänge (duktales Karzinom) oder der Drüsenläppchen (lobuläres Karzinom) der Brust aus. Es wird histopathologisch zwischen invasiven und nichtinvasiven (in situ) Mammakarzinomen unterschieden. 

Zum Seitenanfang

 

Carcinoma in situ

Beim duktalen Carcinoma in situ (DCIS) handelt es sich um Krebszellen, die ausschließlich innerhalb der Milchgänge und Drüsenläppchen3 wachsen (siehe Bildergalerie). Das DCIS ist eine Krebsvorstufe; Die Atypien tendieren dazu, sich zu einem invasiven Karzinom zu entwickeln. Wird ein DCIS nicht behandelt, besteht ein 30–50%iges Risiko für ein invasives Karzinom. In 10–50 % der Fälle liegen Läsionen an verschiedenen Stellen vor.
 
Klinisches Bild und Diagnostik

Die Diagnose DCIS wird meist zufällig gestellt: es wird nur selten klinisch symptomatisch, da es weder getastet werden kann, noch bei der Mammografie als Schatten sichtbar wird. Der wichtigste Hinweis auf ein DCIS sind die in der Mammografie erkennbaren Mikroverkalkungen (kleinste Kalkablagerungen, siehe Bildergalerie): 70–95 % aller DCIS weisen sie auf. DCIS kann keine Metastasen bilden.
 
Therapie

Um eine Weiterentwicklung zum invasiven Karzinom zu verhindern, sollte das DCIS vollständig entfernt werden. Hat das DCIS einen Umkreis von 4 cm noch nicht überschritten und wurde restlos im Gesunden ( > 5 mm) entfernt, kann Brusterhaltend operiert werden. Eine Bestrahlung sollte dennoch in jedem Fall erfolgen. Handelt es sich um einen multizentrischen Tumor, muss eine Mastektomie durchgeführt werden. Nur bei einem großen DCIS sollte eine Lymphknotenentfernung unter den Achseln oder Sentinel-node-Biopsie (Entnahme des Lymphknoten am Rand der Achselhöhle) durchgeführt werden.

Zum Seitenanfang

 

Invasives Mammakarzinom

Man unterscheidet zwei Hauptformen, das duktale und das lobuläre Karzinom:

  • duktales Karzinom: Die Mehrzahl (80  %) aller Mammakarzinome sind invasive, duktale Karzinome. Sie zeichnen sich durch ein histologisch durchwachsenes Bild aus wechselnd großen Tumorzellen mit teils drüsenbildenden, teils soliden Abschnitten aus. Sie entstehen in etwa 1/3 aller Fälle an verschiedenen Stellen und sind oft von einem DCIS umgeben. In etwa 3  % aller Fälle findet sich gleichzeitig auch in der anderen Brust ein Karzinom.
  • lobuläres Karzinom: Das lobuläre Karzinom ist meist kleinzelliger und oftmals multizentrisch. Oft findet man auch in der anderen Brust präinvasive oder invasive Herde.

Wachstum und Metastasierung

Das Mammakarzinom entsteht in vielen Fällen multizentrisch. Schon bei bis zu 2 cm großen Tumoren ist in ¼ der Fälle auch an einer anderen Stelle der Brust eine Läsion vorhanden. Bei der Erstbehandlung des Mammakarzinoms liegt in bis zu 70  % aller Fälle eine klinisch noch nicht nachweisbare Metastasierung vor.

Regionale Ausbreitung (siehe Bildergalerie): Als erstes sind meist die Lymphknoten der Achselhöhle betroffen. Daher sollte bei einem Mammakarzinom immer die Achselhöhle bei angelegtem Arm untersucht werden. Bestätigt sich ein Befall der axillären Lymphknoten, ist dies auch entscheidend für die Prognose des Karzinoms. Die tumorbefallenen Lymphknoten lassen sich als derbe, z.T. verwachsene Knoten schon sehr früh in der Achselhöhle tasten. Bei kleinen Metastasen ist der Lymphknotenbefall nicht zu fühlen.

Ist ein Lymphknoten befallen, handelt es sich meist um den Knoten am Rand der Achselhöhle. Dieser Sentinel-Lymphknoten ist der erste Lymphknoten im Lymphabflussgebiet der betroffenen Brust. Wenn die noch während der Operation durchgeführte Schnellschnittuntersuchung zeigt, dass dieser Wächterlymphknoten tumorzellenfrei ist, kann auf die früher übliche, oft folgenreiche (ausgeprägter Lymphstau) Entfernung weiterer Lymphknoten der Achselhöhle verzichtet werden.
 
Das Mammakarzinom metastasiert häufig und früh. Meist streut der Krebs in Knochen (60%), hier wiederum in die Wirbelsäule und in den langen Röhrenknochen. Diese Patientinnen leiden naturgemäß auch meist unter Schmerzen. Auch finden sich häufig Metastasen in der Lunge, in der Pleura und in der Leber. Weitere Metastasenorte sind das Gehirn, die Ovarien und der Uterus.

Metastasen sind schlussendlich auch meist die Todesursache bei einem Brustkrebs.

Klinisches Bild

Für ein Mammakarzinom können folgende klinische Zeichen gelten:

  • Schwellung der Brust und in der Achselhöhle, unterhalb des Schlüsselbeins oder neben dem Brustbein1
  • Größenveränderung oder Formveränderung der Brüste
  • Hauteinziehung, z.B. Einziehen der Brustwarze
  • Rötungen, Dellen, Grübchen oder vergrößerte Poren
  • Neu auftretende, wenig verschiebliche derbe Indurationen oder Knoten, die isoliert, umschrieben und nicht glatt konfiguriert sind.

Typischerweise ist in der Brust ein derber, meist druckunempfindlicher Knoten zu tasten, der unscharf gegen das umgebende Brustdrüsengewebe begrenzt ist. Aufgrund der Zunahme von Brustkrebsfällen mit steigendem Alter muss besonders nach der Menopause jeder in der Brust tastbare Tumor erst einmal als Mammakarzinom eingestuft werden, bis das Gegenteil bewiesen ist. Im Gegensatz dazu ist ein tastbarer Knoten bei einer Frau unter 20 Jahren fast immer ein Fibroadenom. Im Alter zwischen 20 und 40 Jahren sind die meisten tastbaren Knoten eine Zyste oder ein Fibroadenom.

Zum Seitenanfang

 

Symptomatik

Das Mammakarzinom kündigt sich nicht durch Symptome an. Der erste Befund ist meist der in der Brust tastbare Knoten. Je kleiner und weniger prall die Brust dabei ist, desto leichter ist der Knoten zu tasten. Meistens ist der Knoten nicht schmerzhaft (60–70  %), doch auch ein Druckschmerz oder ein Spontanschmerz (ca. 10  %) in der Brust schließen ein Mammakarzinom nicht aus. In seltenen Fällen (5  %) kommt es zu einer einseitigen, meist blutigen Sekretion.

Zum Seitenanfang

 

Diagnostik mit Bildgebung

Zu Beginn jeder Diagnostik werden beide Brüste miteinander verglichen und abgetastet. Auch die Achselhöhlen und die Supraklavikularregion werden untersucht. In jedem Fall muss im Anschluss eine Bildgebung erfolgen.

Die Mammografie ist der Goldstandard bei der Mammadiagnostik. Schon sehr kleine, nicht tastbare Tumoren können sichtbar gemacht werden.1 Mit Hilfe eines Mammografie-Screenings will man die Früherkennung künftig deutlich verbessern. Schon heute spricht man davon, dass die Brustkrebssterblichkeit dank Mammografie bei Frauen zwischen 50–69 Jahren um ca. 20–30  % und bei Frauen zwischen 40–49 Jahren um ca. 10–15  % reduziert werden kann. Die Röntgenuntersuchung erfolgt am besten kurz nach der Menstruation. Es werden grundsätzlich beide Brüste in mindestens jeweils 2 Ebenen geröntgt. Die Mammografie ist besonders aussagekräftig bei älteren Frauen mit fettreichen und schlaffen Brüsten. Die Treffsicherheit der Mammografie wird zwischen 80 und 95  % angegeben. Bei malignen Prozessen beträgt die Treffsicherheit 85–97  % und bei benignen 75–91  %.
Die Sonografie der Brust ist als Zusatzmethode Pflicht, sobald tastbare Resistenzen in der Brust oder mammografisch nachgewiesene schattengebende Veränderungen vorliegen. In beiden Fällen erkennen Ärzte mithilfe der Sonografie mit hoher Sicherheit Zysten und können Fibroadenome von Karzinomen unterscheiden.

Die Magnetresonanztomografie mit Kontrastmittelinjektion weist eine hohe Auflösung auf. Diese ermöglicht es, auch kleine, brustwandnahe, invasive und In-situ-Herde (auch hinter einer Silikonprothese) mit hoher Sicherheit zu erkennen. Problematisch ist, dass eine gezielte Punktion bzw. die Darstellung nicht tastbarer Herde ziemlich unmöglich ist. Auch sprechen der sehr große Aufwand und erhebliche Kosten einer solchen Untersuchung gegen einen weitläufigen Einsatz.
Jeder unklare Befund bzw. zur Sicherung eines Karzinoms sollte heute mithilfe einer Stanzbiopsie geklärt werden. Dazu gibt es stereotaktische Verfahren mit radiologischer Kontrolle oder Vakuum-Biopsieverfahren, die ultraschallgesteuert sind. Bei gut tastbaren Tumoren kann eine Gewebsgewinnung auch über eine Hochgeschwindigkeits-Stanzbiopsie erfolgen.

Tumormarker (CEA und CA15–3) sind nicht zur Früherkennung und Diagnostik geeignet. Erst in der metastasierten Erkrankungssituation können sie zusätzlich zur bildgebenden Evaluation von Zahl und Größe der Metastasen, Hinweise für das Ansprechen oder die Progredienz der Erkrankung unter einer spezifischen Therapie geben (Verlaufskontrolle).3

Stadieneinteilung

Die Einteilung der Mammakarzinome erfolgt heute normalerweise nach dem TNM-System (siehe Bildergalerie).

Zum Seitenanfang

 

Therapien

Zur genauen Diagnostik, Risikoabschätzung und insbesondere zur Therapieplanung müssen folgende Faktoren geklärt werden. Dazu werden die Gewebeproben aus der Stanzbiopsie auf folgendes untersucht: 

  • Typisierung des Karzinoms: DCIS/invasiv
  • Grading des Tumors: In welchem Stadium liegt der Tumor vor?
  • Sind Lymphgefäßbahnen von Tumorzellen infiltriert (Lymphangiosis carcinomatosa)?
  • Bildet der Tumor Östrogen (ER)- und Progesteron (PR)-Hormonrezeptoren aus?
  • Bestimmung des humanen epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor 2 (HER-2 neu) Status

Nach einer Operation bestimmt der Pathologe, wie groß der Tumor ist, wie sich der Tumor aus invasiven und nichtinvasiven Anteilen zusammensetzt und wie groß der Absetzungsrand im Gesunden (in sano) ausfällt.

Bestandteil der Operation ist fast immer die Abklärung der Lymphknoten aus der Achselhöhle der betroffenen Seite. Dieses wird heute üblicherweise zunächst durch die Entfernung des Wächterlymphknotens (Sentinel-Lymphknoten) durchgeführt. Sind Tumorzellen im Wächterlymphknoten nachweisbar, werden mindestens zehn weitere Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt.5

Therapiestrategien beim primären Mammakarzinom

Beim operablen früh erkannten Mammakarzinom bleibt die Heilung oberstes Therapieziel. Wenn bereits eine Fernmetastasierung vorliegt, geht es eher darum, das Überleben der Patientinnen zu verlängern und im schlimmsten Fall die Beschwerden zu lindern.

Zur Primärbehandlung stehen heute folgende lokale Therapiemaßnahmen zur Verfügung: Operation und Bestrahlung.

Operation

Das operative Standardvorgehen ist eine Brusterhaltende Operation, die heute zu ca. 60–80  % möglich ist. Trotzdem gibt es einige Kontraindikationen für ein Brusterhaltendes Operieren, beispielsweise wenn ein multizentrisches Karzinom vorliegt. Dann ist die radikale Mastektomie, also die operative Entfernung der kompletten Brust, inklusive Brustdrüse, Haut und Hüllschicht des Brustmuskels, das Vorgehen der Wahl. Direkt im Anschluss kann eine primäre Rekonstruktion oder zu einem späteren Zeitpunkt eine sekundäre Rekonstruktion der Brust erfolgen.5

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie ist bei Brusterhaltender Operation heute immer noch Bestandteil des Therapiekonzeptes. Sie reduziert das Risiko des lokalen Rezidivs in der ipsilateralen (gleichseitigen) Brust um etwa 70% und verbessert signifikant das krankheitsspezifische Überleben und das Gesamtüberleben nach 15 Jahren.  Eine postoperative Bestrahlung erfolgt dabei in einem Zeitraum von ca. 4–6 Wochen mit einer Gesamtdosis mit ca. 50 Gy. Die operierte Axilla wird normalerweise nicht mehr mitbestrahlt.

Um die unterschiedlich ausgeprägte Strahlenbelastung der Haut, Lunge und des Herzens bei einer Ganzbrustbestrahlung zu minimieren, kann bei ausgewählten Patientinnen mit einem kleinen Mammakarzinom durch eine beschleunigte Teilbrustbestrahlung auf 4 – 5 Tage verkürzt werden.
Eine postoperative Bestrahlung nach Mastektomie, d. h. Bestrahlung der Thoraxwand, sollte erfolgen bei:

  • Karzinom im Stadium T 4 (Tumor in direkter Ausdehnung auf Brustwand oder Haut)
  • großem Primärtumor ( > 5 cm)
  • 3 befallenen axillären Lymphknoten.

Erfolgt die Bestrahlung im Rahmen der Primärbehandlung, findet sie gleichzeitig zur Hormontherapie bzw. nach Abschluss der postoperativen Chemotherapie statt. Eine Boost-Bestrahlung (zusätzliche Dosis im Bereich des Tumorbettes = Aufsättigung des Tumorbettes) wird nicht generell empfohlen.
Neue Bestrahlungskonzepte sehen eine intraoperative (IORT) und damit nur einmalige Bestrahlung des Tumorbettes vor. Studienergebnisse deuten darauf hin, dass das Rezidivrisiko dabei nicht ansteigt, wenn bekannte Risikofaktoren für Lokalrezidive ausgeschlossen wurden. Allerdings fehlen bei der Teilbrustbestrahlung und der IORT auch die endgültige Histologie als wichtiger Faktor zur Risikoklassifizierung und Bestimmung der Tumorbiologie. 

Systemische Therapien

Systemische Therapien können sowohl nach der Operation (adjuvante Therapie) als auch davor (neoadjuvante Therapie) erfolgen. Dabei stehen folgende Therapien zur Verfügung: eine Chemotherapie, Hormontherapie und Immuntherapie mit Antikörpern allein oder in Kombination bzw. Sequenz.

Adjuvante systemische Therapie beim primär operablen Mammakarzinom

Mammakarzinome lassen sich in hormonempfindliche, fraglich hormonempfindliche und hormonunempfindliche Tumoren einteilen.

Ein hormonempfindlicher Tumor kann grundsätzlich durch Entfernung oder Blockierung eines Hormon-produzierenden Organs (z. B. Eierstöcke) bzw. durch Zugabe eines Hormons beeinflusst werden. Eine Unterdrückung der ovariellen Funktion bei prämenopausalen Frauen geschieht heute mit Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Analoga.

Bei prä- und postmenopausalen Frauen mit hormonempfindlichen Tumoren wird das Antiöstrogen Tamoxifen seit über 45 Jahren als adjuvante Hormontherapie für 5 Jahre eingesetzt. Die Hormongabe sollte sequenziell und nicht simultan zur Zytostatikatherapie erfolgen.

Neue Fortschritte bei hormonempfindlichen Tumoren wurden in den letzten Jahren durch den Einsatz von Aromatasehemmern erzielt. Man unterscheidet nicht steroidale wie Anastrozol und Letrozol und steroidale Aromatasehemmer wie Exemestan. Der Einsatz dieser Aromatasehemmer der dritten Generation ist jedoch nur bei postmenopausalen Frauen wirksam.

Hormonunempfindliche Mammakarzinome müssen heute immer mit einer Poly-Chemotherapie (z. B. Alkylanzien, Antimetabolite, Anthrazykline, bei nodal positiven Tumoren in einer Kombination bzw. Sequenz mit Taxanen) behandelt werden. Nach heutigem Kenntnisstand sollte die Chemotherapie innerhalb der ersten 4–6 Wochen nach einer Operation begonnen werden, über 6–8 Zyklen appliziert und alle 3 Wochen wiederholt werden.

Zusätzliche Substanzen (Capecitabin, Gemcitabin) und die Hochdosischemotherapie spielen zurzeit keine Rolle in der adjuvanten Therapie des frühen Mammakarzinoms.9

Der Einsatz der Chemotherapie bei nodal-negativen Patientinnen hängt von weiteren Risikofaktoren wie Alter, Menopausenstatus, Tumorgröße, Ausmaß der Tumorempfindlichkeit, HER 2-neu-Status und Differenzierungsgrad ab.

Nach den Empfehlungen der Konsensuskonferenz in St. Gallen von 2011 können erstmalig durch immunhistochemische Eigenschaften definierte Typen des Mammakarzinoms in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Hierbei handelt es sich um die folgenden immunhistologischen Marker:

  • ER
  • PgR
  • HER2
  • Ki-67 (Proliferationsindex)9

Bestimmte Konstellationen der Marker finden neben der klassischen Einteilung zunehmend Eingang in die Nomenklatur. Es wird auch von intrinsischen Typen des Mammakarzinoms gesprochen (Tabelle siehe Bildergalerie).
 
Neoadjuvante (präoperative) systemische Therapie

Die neoadjuvante systemische Therapie umfasst alle medikamentösen Therapieformen, die nach der histologischen Diagnosesicherung eines Mammakarzinoms vor der Operation verabreicht werden. Auch hier ist das Therapieziel die Heilung der Patientin.9 Durch den präoperativen systemischen Einsatz von Medikamenten – meist Zytostatika – ist eine Tumorverkleinerung bis zu einem mikroskopisch völligen Verschwinden des Tumors in bis zu 80  % der Fälle möglich. Bei etwa einem Viertel der Fälle lassen sich sogar mikroskopisch keine Tumorzellen mehr nachweisen. Die neoadjuvante Therapie kann zu einer höheren Rate an brusterhaltenden Therapien führen. Der Effekt ist dabei bei hormonrezeptornegativen Karzinomen am größten.

Zum Seitenanfang

 

Prognose

Brustkrebs gilt als heilbar, wenn er früh entdeckt wird. Für das Gesamtkollektiv der Mammakarzinompatientinnen zeigen sich eine 5-Jahres-Überlebensrate von 82,5 % und eine 10-Jahres-Überlebensrate von 67,7 %.3 Der aussagekräftigste Prognosefaktor ist der Befall der axillären Lymphknoten. Rund die Hälfte der Rezidive treten in den ersten 2 Jahren nach der Operation auf. Die durchschnittliche Überlebenszeit bei einem lokalen Rezidiv beträgt 66 Monate, bei einem lokoregionären Rezidiv 40 Monate, bei Knochenmetastasen 26 Monate, bei Leber- und anderen Organmetastasen 6–11 Monate.

Zum Seitenanfang

 

Brustkrebs in der Schwangerschaft

Etwa eine von 3.000–5.000 Schwangeren bekommt zu diesem Zeitpunkt Brustkrebs. In der stark durchbluteten Brust wird ein Mammakarzinom in der Regel sehr viel später entdeckt als bei nicht Schwangeren. Allerdings ist die Prognose eines Mammakarzinoms in der Schwangerschaft nicht anders als bei gleichaltrigen nicht-schwangeren Patientinnen. Die Behandlung wird also genauso vorgenommen. Ist eine adjuvante Chemotherapie indiziert, kann dies in der zweiten Schwangerschaftshälfte durchgeführt werde, ohne das Kind zu gefährden. Wird der Brustkrebs schon früh in der Schwangerschaft diagnostiziert, sollte mit der Patientin ein Abbruch diskutiert werden.

Zum Seitenanfang

 

Brustkrebs beim Mann

Brustkrebs bei Männern ist selten: Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 620 Patienten neu. Umgerechnet kommt auf 100 erkrankte Frauen ein betroffener Mann. Auch bei Männern spielt eine BRCA-1,2-Mutation bei der Entstehung eine entscheidende Rolle. Männer erhalten im Krebsfall dieselbe Therapie wie Frauen.1

Aufgrund der ständig neuen Entwicklungen in der Medizin kann dieser Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Wir freuen uns über Ihre Hinweise, wenn Sie etwas vermissen. Schreiben Sie uns unter gyn-community@thieme.de.

Zum Seitenanfang

 

Christine Zilinski

1 Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums
2 Meinert Breckwoldt, Manfred Kaufmann, Albrecht Pfleiderer: Gynäkologie und Geburtshilfe 2008; 5. Auflage
3 Christine Eberle, Christoph Scholz, Marion Lübke, Christine Solbach, Katharina Muschel, Stefan Kissler, Friederike Siedentopf, Tobias Weissenbacher, Gerlinde Debus, Ina Schuhmacher, Krisztian Lato, Nicole Sänger;  Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe 2015; 2., aktualisierte Auflage
4 brustkrebs.krebs-tumoren.de
5 Schwind, Margot; Gonzalez-Heiberger, Edgar; Wiederaufbau der Brust; Im OP 2017; 07(05): 189 - 193
6 Kümmel, S.; Kolberg, H.; Lüftner, D.; Lux, M.; Maass, N.; Schütz, F.; Fasching, P.; Fehm, T.; Janni, Mammakarzinom 2011 – Neue Aspekte; Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2011; 71(11): 939 – 953
7 Strnad, Vratislav; Strahlentherapie nach brusterhaltenden OP: Teilbrustbestrahlung mit Multikatheter-Brachytherapie als Alternative; Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2017; 77(07): 729 - 732
8 Görse, R.; Ortmann, O.; Kölbl, O.; Wenz, F.: Teilbrustbestrahlung nach brusterhaltender OP des Mammakarzinoms; Frauenheilkunde up2date 2007; 1(04): 294 - 298
9 Uwe Fischer, Friedemann Baum; Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms, Thieme Verlag 2014
10 S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (2012)

  • Schlagwörter:
  • Brustkrebs
  • Mammakarzinom
  • Carcinoma in situ
  • duktales Mammakarzinom
  • DCIS
  • CA15-3
  • BRCA
  • Sentinel
  • HER2-neu
  • Ki-67
Zum Seitenanfang