Gericht rügt DoctolibTerminfilter führt Kassenpatienten in die Irre

Ein Berliner Gericht stellt klar: Wer bei Doctolib nach Arztterminen für gesetzlich Versicherte sucht, darf nicht auf Behandlungen stoßen, die nur Privatpatienten oder Selbstzahlern offenstehen. Die bisherige Darstellung sei irreführend und wecke falsche Erwartungen. Doctolib muss nachbessern – noch ist das Urteil jedoch nicht rechtskräftig.

Hand hält ein Smartphone mit geöffneter Doctolib‑App, das Logo ist auf blauem Hintergrund zu sehen.
dpaChristophe Gateau/dpa
Viele Praxen nutzen bei der Terminvergabe das Buchungsportal Doctolib. Bei Verbrauchern werden aus Sicht eines Gerichts jedoch falsche Erwartungen geweckt.

Das Buchungsportal Doctolib muss nach einem Urteil seine Filterfunktion bei der Anzeige von Terminen anpassen. In der bisherigen Form sei sie irreführend, weil sie Kassenpatienten auch Termine anzeigt, die nur für privat Versicherte und Selbstzahler zugänglich sind, wie das Landgericht Berlin bereits im November urteilte und nun bekannt wurde. (Az.: 52 O 149/25)

Richter: Erwartung der kostenlosen Behandlung zählt

Dies geschehe nach den Angaben auch, wenn Nutzerinnen oder Nutzer die Einstellung «gesetzlich versichert» ausgewählt hätten. Dadurch wird aus Sicht der Richter die Erwartung enttäuscht, die Möglichkeit zu haben, ohne Vorkasse behandelt zu werden. 

Das Landgericht untersagte Doctolib, die entsprechende Filterfunktion weiter zu verwenden. Damit war eine Klage des Bundesverbandes der Verbraucherzentrale (vzbv) erfolgreich. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, wie ein Gerichtssprecher sagte. Das Buchungsportal habe Berufung eingelegt. Als zweite Instanz ist nun das Berliner Kammergericht zuständig. 

Verbraucherschützer fordern Mindeststandards

Der Bundesverband hat nach eigenen Angaben geklagt, weil bei den Verbraucherzentralen Beschwerden eingingen. «Nach Ansicht der Verbraucherzentrale müssen Privatsprechstunden und Selbstzahlertermine eindeutig als solche gekennzeichnet werden. Sie dürfen gesetzlich Versicherten nur angezeigt werden, wenn die Versicherten das explizit wünschen», sagte Vorstandschefin Ramona Pop dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Nötig sind verbraucherfreundliche Mindeststandards für kommerzielle Arztterminportale.»