DIW-Studie zur Gesundheitsversorgung von GeflüchtetenZwischen Warteschlange und Wegstrecke: Geflüchtete haben es schwerer zum Arzt kommen

Zu lange Wartezeiten, hohe Kosten und mangelnde Orientierung: Eine DIW-Studie zeigt, wie stark Geflüchtete in Deutschland beim Zugang zur medizinischen Versorgung benachteiligt sind – besonders in den ersten Jahren nach der Ankunft. Die Folgen betreffen nicht nur die Betroffenen, sondern langfristig auch das Gesundheitssystem.

 Die 13 Jahre alte Arina, die aus ihrer Heimat in der Ukraine geflüchtet ist, wird von einer medizinischen Mitarbeiterin gegen Corona geimpft, bei einer Sonderimpfaktion für Ukraine-Flüchtlinge in der Impfstelle «Mon ami».
Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dp
Impfungen – hier ein 13 Jahre altes Maädchen us der Ukraine – zählen zu den Gesundheitsleistungen aus dem Asylbewerberleistungsgesetz, die auch bei Geflüchteten aus anderen Ländern übernommen werden

Wer nach Deutschland flüchtet, stößt vor allem in den ersten Jahren nach der Ankunft auf Hürden beim Zugang zur Gesundheitsversorgung. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), für die in den Jahren 2023 und 2024 Geflüchtete, die zwischen 2013 und 2022 eingereist waren, befragt wurden. Neben langen Wartezeiten erschwerten auch finanzielle Belastungen und teils große Entfernungen eine rasche Behandlung. Zudem fällt es vielen Flüchtlingen demnach schwer, sich im deutschen Gesundheitssystem zu orientieren

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Versorgung mit Verzögerung

Auch aus ökonomischer Sicht, sei diese Unterversorgung problematisch, sagt die Autorin der DIW-Studie, Louise Biddle. Ihr Argument: Werde die medizinische Versorgung in den ersten Jahren nach der Ankunft verzögert, «verschlechtert das ihre Gesundheit und führt langfristig zu höheren Kosten im Gesundheitssystem». An der Befragung nahmen 2023 bundesweit 6.197 Geflüchtete teil, im darauffolgenden Jahr wurden laut DIW 4.992 geflüchtete Menschen befragt.

Jeder dritte Teilnehmer der repräsentativen Befragung (33,1%) findet es den Angaben zufolge schwierig oder sehr schwierig herauszufinden, wo man bei gesundheitlichen Problemen im konkreten Fall professionelle Hilfe erhält. 

Nadelöhr: Facharzttermine

Die Geschwindigkeit, mit der Menschen in Deutschland die richtige medizinische Behandlung erhalten, variiert mit Blick auf die gesamte Bevölkerung stark je nach Versorgungsbereich. Bei Hausärzten ist die Situation vergleichsweise gut. Bei Fachärzten gestaltet sich die Situation deutlich schwieriger. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Facharzttermin beträgt inzwischen 42 Tage – 2019 waren es noch 33 Tage.

Von den Geflüchteten aus der Ukraine berichteten laut Studie rund 40% von langen Wartezeiten bei der Suche nach medizinischer Behandlung. Weite Wege sind demnach vor allem eine Hürde für nicht ukrainische Geflüchtete, die nach 2021 eingereist sind. Von ihnen gaben 14% an, Entfernungen verzögerten ihre Versorgung. Das trifft vor allem auf Geflüchtete zu, die in Gemeinschaftsunterkünften in ländlichen Regionen und schlechter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr leben. 

Ungleiche Regeln: Wer bekommt welche Leistungen?

Für Asylsuchende gilt nach ihrer Ankunft in Deutschland zunächst das Asylbewerberleistungsgesetz. Gesundheitsleistungen beschränken sich bei ihnen auf die Behandlungen von akuten Erkrankungen, Schmerzzuständen sowie medizinisch gebotene Vorsorgeuntersuchungen, Schwangerschaftsbehandlungen und Impfungen. Weitere Behandlungen hängen vom Ermessen der Ärzte und Sozialämter ab. 

Flüchtlinge aus der Ukraine unterliegen derzeit nicht dem Asylbewerberleistungsgesetz. Sie erhalten Sozialleistungen und haben Anspruch auf eine Gesundheitsversorgung, die den von Menschen mit regulärem Aufenthalt entspricht. Das Kabinett hat zwar im November beschlossen, dass Geflüchtete aus der Ukraine, die nach dem 1. April 2025 eingereist sind, künftig wieder die geringeren Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten sollen. Allerdings steht eine Beratung über das Vorhaben im Bundestag noch aus.