
Das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen (EKN) feierte am 15. Oktober 2025 sein 25-jähriges Bestehen und präsentiert zugleich einen innovativen Meilenstein: Dr. Andreas Philippi, Niedersächsischer Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, hat im Rahmen der Jubiläumsfeier in Oldenburg symbolisch den neuen interaktiven Krebsatlas für die Öffentlichkeit freigeschaltet. Das bundesweit einzigartige Online-Tool ermöglicht erstmals kleinräumige Darstellungen des Krebsgeschehens auf Gemeindeebene mit modernen statistischen Verfahren und setzt damit neue Maßstäbe für Forschung, Information und Transparenz in der Krebsregistrierung.
Seit der Verabschiedung des Gesetzes über das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen am 1. Januar 2000 erfasst das EKN flächendeckend Neuerkrankungen und Sterbefälle aufgrund von Krebs. Mit einer Vollzähligkeit von über 90% hat das Register bereits sei Diagnosejahr 2003 die notwendige Datenqualität erreicht, um verlässliche Aussagen über zeitliche Trends und regionale Unterschiede zu treffen.
Daten sichtbar machen, Forschung stärken
Der neue niedersächsische Krebsatlas ist weit mehr als eine statistische Übersicht. Mit Bayesianischen Glättungsverfahren und kleinräumiger Darstellung auf Gemeindeebene setzt er methodische Standards, die sich an internationalen Vorbildern orientieren. Die interaktive Plattform macht statistische Unsicherheiten transparent und ermöglicht erstmals auch die Darstellung seltener Krebsdiagnosen in Niedersachsen, die in herkömmlichen Auswertungen oft nicht abgebildet werden können. Die Downloadfunktion macht das Tool zusätzlich für die wissenschaftliche Forschung attraktiv.
Mehr als ein Werkzeug für gezielte Gesundheitspolitik
„Der neue niedersächsische Krebsatlas ist ein Meilenstein für eine datenbasierte Gesundheitspolitik“, unterstreicht Dr. Andreas Philippi, Niedersächsischer Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung. „Er schafft erstmals Transparenz über regionale Unterschiede im Krebsgeschehen auf Gemeindeebene und ermöglicht es uns, Präventions- und Versorgungsangebote gezielt weiterzuentwickeln. Durch die innovative Vernetzung von Forschung, klinischer Praxis und Versorgungsplanung können wir künftig noch besser auf die Bedürfnisse der Menschen in Niedersachsen eingehen. Dieser Atlas ist nicht nur ein wissenschaftliches Werkzeug, sondern ein konkreter Beitrag zur Aufklärung über das Krebsgeschehen in unserem Land und zur Stärkung der interdisziplinären Zusammenarbeit aller Akteure im Gesundheitswesen.“
Prof. Dr.-Ing. Andreas Hein, Vorstand von OFFIS und Wissenschaftlicher Leiter des Forschungsbereich Gesundheit im Oldenburger Informatikinstitut, betont die technische Dimension: „Der neue Krebsatlas ist ein Paradebeispiel für angewandte Informatikforschung mit gesellschaftlichem Mehrwert. OFFIS verbindet hier seit 25 Jahren technische Innovation mit höchsten Datenschutzanforderungen und schafft damit ein Werkzeug, das Forschung, Präventions- und Versorgungsplanung gleichermaßen voranbringt.“
International inspiriert, regional relevant
Innerhalb von Deutschland wagt Niedersachsen eine moderne Darstellungsform. Der niedersächsische Atlas ist vollständig interaktiv und bietet umfassende Downloadfunktionen für die wissenschaftliche Nutzung. Die methodische Grundlage orientiert sich am australischen Vorbild und nutzt räumliche Glättungsverfahren, um zufallsbedingte Schwankungen zu minimieren und gleichzeitig regionale Unterschiede sichtbar zu machen.
EKN, OFFIS und NLGA: Gemeinsam zum Erfolg
Die Geschichte des EKN ist eng mit dem Informatikinstitut OFFIS verknüpft. Bereits ab 1993 entwickelte das Oldenburger Forschungsinstitut die technischen Grundlagen für ein neuartiges Meldemodell, das höchsten Datenschutzstandards genügt. Die organisatorische Trennung in Vertrauensstelle und Registerstelle wurde zum Quasi-Standard für Krebsregister in Deutschland. Während die Vertrauensstelle im Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) in Hannover angesiedelt ist, betreibt die OFFIS CARE GmbH seit 2001 die Registerstelle.
Quelle: OFFIS – Institut für Informatik


