Millionenschwerer BetrugErfundene Hausbesuche – Gericht verurteilt niederbayerischen Arzt

Ein Arzt aus Niederbayern muss für 6 Jahre ins Gefängnis: Über Jahre stellte er der Kassenärztlichen Vereinigung frei erfundene Notdienst-Hausbesuche in Rechnung und verursachte so einen Schaden von fast 1,5 Millionen Euro. Zusätzlich verurteilte das Gericht ihn wegen eines Übergriffs auf eine Patientin – ein Berufsverbot erhielt er dennoch nicht.

"Strafjustizzentrum Nürnberg" steht am Eingangsbereich am Landgericht Nürnberg-Fürth.
Daniel Karmann/dpa
Das Landgericht Nürnberg-Fürth verurteilte einen niederbayerischen Arzt wegen gefälschter Notdienstabrechnungen und weiterer Vergehen zu 6 Jahren Haft - ein Berufsverbot wurde nicht ausgesprochen.

Unter anderem wegen der Abrechnung frei erfundener Hausbesuche und eines sexuellen Übergriffs auf eine Patientin ist ein Arzt aus Niederbayern zu 6 Jahren Haft verurteilt worden. Der Mediziner habe der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) über einen Zeitraum von 13 Quartalen nicht erbrachte Leistungen in Rechnung gestellt und so einen Schaden von knapp 1,5 Millionen Euro verursacht  (→wir berichteten), teilte eine Sprecherin des Landgerichts Nürnberg-Fürth nach dem Urteil mit. Außerdem habe er eine Patientin ohne medizinischen Grund unsittlich berührt.

Das Gericht blieb damit unter dem Antrag der Generalstaatsanwaltschaft, die 6 Jahre und 9 Monate Haft gefordert hatte. Auch dem Antrag auf ein Berufsverbot für den Mediziner kam die Kammer aus rechtlichen Gründen nicht nach. Die Verteidigung hatte 3 Jahre und 9 Monate Haft als ausreichend angesehen.

KV-Prüfmechanismen deckten systematischen Betrug auf

Der Mediziner war als sogenannter Poolarzt in Niederbayern tätig. Unter anderem soll er Hausbesuche im Notdienst abgerechnet haben, die niemals erbracht worden waren. Die Prüfmechanismen der Kassenärztlichen Vereinigung hätten den Betrug auffliegen lassen, sagte die Gerichtssprecherin.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.