Resilienz und ErholungNaturklänge aus heimischen Wäldern wirken besonders erholsam

Schon eine Minute Waldklänge über Kopfhörer steigert das Wohlbefinden, senkt Stress und verbessert die Konzentration – doch entscheidend ist, woher die Geräusche stammen. Vertraute Vogelstimmen aus heimischen Wäldern wirken deutlich erholsamer als exotische Klänge aus den Tropen. Wer den Klinik- oder Praxisalltag am Wochenende hinter sich lassen will, findet im nächsten Wald offenbar den wirksamsten Ausgleich.

Ein Kuckuck (Cuculus canorus) sitzt zwischen Blättern auf einem Ast in einem Baum.
Wolfram Steinberg/dpa
Waldgeräusche aus heimischen Wäldern wirken besonders erholsam – vertrauter Vogelgesang senkt Stress und fördert die Konzentration stärker als exotische Naturklänge.

Wer kennt das nicht: Ein Spaziergang im Wald bringt Ruhe und Entspannung. Aber auch Waldgeräusche aus dem Kopfhörer wirken sich positiv auf unser Gemüt aus – vor allem, wenn sie aus heimischen Wäldern stammen, so aktuelle Studiendaten. Die in Deutschland lebenden Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer empfanden Naturgeräusche aus heimischen Ländern als beeindruckender und erholsamer als solche aus den Tropen. Außerdem fühlten die Befragten sich insgesamt besser, wenn sich glaubten, viele Tierarten zu hören.

So wurde die Wirkung von Waldgeräuschen untersucht

An der Untersuchung nahmen 195 Personen teil. Sie bekamen einminütige Tonaufnahmen von Vogelgesängen aus dem Wald zu hören, inklusive Hintergrundgeräusche. Ein Teil der Gruppe hörte sich Aufnahmen aus heimischen Wäldern (Deutschland und Polen) an, ein anderer Teil aus tropischen Wäldern (Panama). Jeder Teilnehmer hörte eine Version mit hoher und eine mit geringer Artenvielfalt. 

Jede Person hörte sich 2 Tonaufnahmen an und gab davor und danach an, wie sie sich fühlte, wie gestresst sie war und wie gut sie sich konzentrieren konnte. Außerdem schätzten die Teilnehmer, wie viele verschiedene Tiere sie hören konnten, und gaben an, wie angenehm und vertraut ihnen die Geräusche erschienen.

Nach nur einer Minute bessert sich das Wohlbefinden

«Insgesamt führte das bloße Anhören von einminütigen Waldgeräuschen über Kopfhörer zu größerem Wohlbefinden: Die Versuchsteilnehmerinnen und -teilnehmer berichteten von positiveren Emotionen, besserer Konzentration und weniger Stress», heißt es in der Pressmitteilung des IDIV. Die positivsten Ergebnisse erzielten demnach vertraute Geräusche aus heimischen Wäldern

Eine größere Artenvielfalt verbesserte das Wohlbefinden nur bei manchen. Die subjektive Wahrnehmung allerdings machte sehr wohl einen Unterschied: Wenn die Menschen glaubten, viele Arten zu hören, fühlten sie sich insgesamt besser. Bei Geräuschen, die den Angaben nach komplex wirkten, aber nicht eindeutig mit Tieren in Verbindung gebracht wurden, wurden positive Gefühle verringert.

Vertraute Klänge – beste Wirkung

«Unsere Ergebnisse zeigen, dass es nicht nur auf die Artenzahl ankommt», erklärte Aletta Bonn, Mitautorin und Forschungsgruppenleiterin beim UFZ, IDIV und der Universität Jena. «Klänge, die Menschen an vertraute Wälder erinnern, wie zum Beispiel die Vögel in der Nähe ihres Zuhauses, scheinen eine viel stärkere Wirkung zu haben.» 
 

Hintergrundinformationen

Direkt zur Studie

Durchgeführt wurde die Studie unter der Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (IDIV), des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Universität Leipzig, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Universität Freiburg.

Und das ist die Originalstudie:
Romreo AGC, Rozario K, Marselle M et al. When nature sounds like home: Mental wellbeing effects of acoustic diversity differ for local and non-local forest soundscapes. J Environmental Psychol 2026; 11: 103007. DOI: 10.1016/j.jenvp.2026.103007