
Viele Menschen haben das Gefühl, dass der Tag nicht genug Stunden bietet: Man hetzt von Aufgabe zu Aufgabe und kommt kaum zur Ruhe - weil «keine Zeit» dafür ist. Das Phänomen, als Zeitarmut bekannt, ist laut Experten weit verbreitet.
Chronischer Zeitdruck bedeutet Stress. Und damit steht er im Zusammenhang mit erhöhten Kortisolwerten, Bluthochdruck, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie mit ungesunden Ernährungsgewohnheiten und erhöhtem Risiko für Übergewicht. Auch psychische Folgen wie Burnout, Depressionen oder Angsterkrankungen sind möglich.
Zeit ist formbar – und Zeitarmut muss nicht sein
Doch Zeitarmut sei kein unausweichliches Schicksal, betont die Psychologin Prof. Ruth Ogden im Magazin «BBC Science Focus». Mit wenigen einfachen, wissenschaftlich gestützten Strategien lasse sich das Empfinden von Zeitknappheit deutlich vermindern. Hier die 5 Tipps der Professorin für Psychologie der Zeit an der Liverpool John Moores University:
1. Nein sagen lernen
Nicht jede Verpflichtung muss angenommen werden. Wer bewusst Nein sagt, schafft Raum für die wirklich wichtigen Dinge.
Ogdens Ratschlag: Wer sagt, er habe keine Zeit, macht sich nicht unbedingt beliebter. Besser als Strategie für ein Nein sei:
- Nach mehr Zeit zu fragen – bei Aufgaben im Job zum Beispiel.
- Klarzumachen, dass man wegen Umständen Nein sagt, die außerhalb der eigenen Beeinflussbarkeit liegen.
- Lieber keine Begründung für das Nein zu geben, als nur «Dafür habe ich keine Zeit».
2. Eine Zeit-Analyse machen
Halten Sie in einer exemplarischen Woche fest, wie Sie Ihre Zeit verbringen – von Job-Meetings über Social-Media, Kochen bis hin zu Socken sortieren und ähnlichem.
Ogden empfiehlt: Gehen Sie nicht zur sehr ins Detail, sondern arbeiten Sie mit 30-Minuten-Abschnitten. So kann man erkennen, wo man durch kleine Veränderungen etwas Zeit freischaufeln kann. Ein Beispiel: Das Abendessen vorkochen und so abends eine halbe Stunde mehr Zeit haben.
3. Aufgaben delegieren oder auslagern
Ob Haushalt, Einkäufe oder kleine Alltagsaufgaben: Wer sie mit anderen im Haushalt teilt oder auslagert (Saugroboter, Lebensmittellieferservice), kann sich Zeit quasi kaufen und sie bewusst für Erholung oder wichtige Projekte nutzen.
4. «Was-habe-ich-geschafft»-Liste führen
Das ist eine Art umgekehrte To-do-Liste. Am Ende des Tages aufzuschreiben, was man erledigt hat, fördert das Gefühl von Produktivität und Zufriedenheit.
Ogden rät: Nehmen Sie sich dafür 5 Minuten. Wenn man das alles schwarz auf weiß sieht, gebe einem das mehr Selbstbewusstsein. Auch weil man bestenfalls sieht: Man setzt seine Zeit eigentlich ziemlich gut ein.
5. Zeitblöcke einplanen


