
Auch wenn es oft nur wenige Minuten lang ist: Das Gespräch zwischen Arzt und Patient ist wichtig. Schließlich geht es darum, herauszufinden, welche Untersuchungen und Therapien passen. Dazu ist natürlich ein korrektes und vollständiges Bild vom Gesundheitszustand der Person notwendig, die Ihnen da gegenübersitzt. Dass Sie das nicht immer bekommen, hätten Sie sicher vermutet, aber liegt Ihre Intuition auf einem ähnlichen Niveau wie die Ergebnisse aus einer repräsentativen YouGov-Umfrage mit 1043 Personen zwischen dem 04. und dem 11. März 2026 im Auftrag des Unternehmens Doctolib:
- 31% der Befragten haben demnach ihrem Arzt oder ihrer Ärztin schon einmal bewusst nicht die Wahrheit gesagt oder wichtige Informationen zu ihrer Gesundheit verschwiegen.
- Das Phänomen kommt bei jüngeren Menschen eher vor als bei älteren (45% der 18- bis 24-Jährigen vs. 24% der über 55-Jährigen).
Symptome werden klein geredet, ungeliebte Warheiten verschwiegen
27% derjenigen, die schon mal bewusst nicht die Wahrheit gesagt haben, haben Symptome verschwiegen oder in Bezug darauf gelogen. Fast ebenso häufig bezieht sich die Unehrlichkeit auf private und soziale Umstände wie etwa finanzielle oder familiäre Probleme (26%) oder auch auf psychische Probleme (24%). Auch Tabakkonsum wird gern mal verschwiegen oder geleugnet (17%), ebenso, dass ärztliche Anweisungen wie Ernährungsempfehlungen nicht eingehalten wurden (15%).
Hauptmotive sind Angst vor Urteil und Scham
Doch was bringt Menschen dazu, es mit der Wahrheit in der Arztpraxis nicht so genau zu nehmen?
- 35% der Befragten nennen Angst vor Verurteilung oder negativer Bewertung als Grund.
- Auch Scham ist ein Thema (31%).
- Und manchmal steht schlichtweg der Grund dahinter, dass Patientinnen und Patienten eine bestimmte Therapie oder ein bestimmtes Medikament (vermeiden) möchten (19%).
Offenheit ist die bessere Medizin
Ehrlichkeit ist in vielen Lebenslagen die beste Entscheidung – auch in der Arztpraxis. Die Experten der Stiftung Gesundheitswissen ermutigen daher dazu, im Arztgespräch ehrlich zu sein und auch Dinge anzusprechen, die unangenehm oder peinlich sind. Schließlich kann nur so am besten geholfen werden.
5 Tipps für ein offenes Arzt-Patienten-Gespräch
Patientinnen und Patienten schwindeln selten aus böser Absicht – sondern aus Scham und Unsicherheit. Wer aktiv eine wertfreie Gesprächsatmosphäre schafft, bekommt die besseren Informationen und trifft die besseren klinischen Entscheidungen.
- Aktiv mit Unehrlichkeit rechnen: Symptome, Tabakkonsum, psychische Belastungen und Non-Adhärenz werden am häufigsten verschwiegen – bei diesen Themen gezielt und wertfrei nachfragen.
- Scham senken durch normalisierende Sprache: Formulierungen wie „Viele meiner Patientinnen und Patienten berichten …" öffnen den Gesprächsraum.
- Schweigepflicht und geschützten Rahmen betonen: Gerade bei sensiblen Themen wie psychischen Problemen, finanziellen Schwierigkeiten oder familiären Konflikten hilft ein kurzer, expliziter Hinweis auf die Vertraulichkeit des Gesprächs – also aktiv Vertrauen aufbauen.
- Therapiebedenken explizit erfragen: Knapp ein Fünftel ist unehrlich, um bestimmte Therapien zu vermeiden. Fragen Sie vor dem Therapieplan nach Sorgen und Präferenzen und geben Sie Bedenkzeit bzw. weisen Sie auf die Möglichkeit der Zweitmeinung hin.
- Non-Adhärenz enttabuisieren: Statt „Haben Sie die Empfehlungen eingehalten?" besser: „Was ließ sich gut umsetzen, was war schwierig?"


