Starker Start durch VorzieheffektePharmaindustrie wächst weiter – trotz Handelskonflikt und Konjunkturflaute

Die deutsche Pharmaindustrie bleibt ein verlässlicher Wachstumsmotor: Trotz Handelsstreit mit den USA und einer schwachen Konjunktur legte die Produktion 2025 um 4,5% zu, der Umsatz stieg um 5,5%. Vor allem das Auslandsgeschäft blieb stabil – doch neue Zollrisiken könnten die Branche künftig erheblich unter Druck setzen.

Ein automatisiertes Lagersystem mit hohen, dicht bestückten Regalen, in denen zahlreiche Medikamentenpackungen lagern; im Zentrum fährt ein Roboterarm auf einer vertikalen Schiene.
Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Die deutsche Pharmaindustrie wächst 2025 trotz Handelskonflikten und Konjunkturflaute weiter und profitiert vor allem vom starken Exportgeschäft.

Die deutsche Pharmabranche hat trotz des Handelsstreits mit den USA deutlich zugelegt. Im vergangenen Jahr stieg die Produktion kräftig um 4,5% zum Vorjahr, wie der Verband  der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt mitteilte. Der Umsatz kletterte zugleich um 5,5% dank leicht steigender Preise. Damit fallen die Zahlen noch besser aus als Ende 2025 geschätzt. «Das Auslandsgeschäft blieb trotz der Zollstreitigkeiten und unruhigen Handelsbeziehungen auf hohem Niveau stabil», hieß es. 

Die Pharmabranche ist seit Jahren robust trotz Wirtschaftskrise, denn ihr Geschäft ist wenig konjunkturabhängig. Anfang vergangenen Jahres profitierte sie zudem von Vorzieheffekten, da Unternehmen angesichts drohender US-Zölle noch schnell massenhaft Arzneien über den Atlantik schickten. 

Inlandsmarkt verliert an Dynamik

Zuletzt hätten die Unsicherheiten zugenommen, erklärte der VCI, der rund 2.000 Unternehmen aus der Chemie- und Pharmabranche vertritt. Die Bestellungen aus dem Inland seien in den vergangenen Monaten gesunken. Zugleich steige der Druck durch Importe aus Asien. Dagegen blieben die Exporterwartungen zu Jahresbeginn positiv.

Export als Lebensader der Branche

Mehr als 60% ihres Umsatzes erzielt die Branche laut der Angaben im Export. Allein ein Viertel der Ausfuhren geht in die USA. «Die Unsicherheiten im US-Geschäft bleiben jedoch hoch: Pharmazölle stehen weiterhin im Raum. Sollten sie kommen, hätte dies gravierende Folgen», warnte der VCI.

Zuletzt ist die Unsicherheit über Zölle auch in der Pharmabranche gestiegen: Das oberste Gericht der USA hat es Präsident Donald Trump untersagt, unter Berufung auf ein Notstandsgesetz aus den 1970er Jahren Zölle gegen Handelspartner weltweit zu verhängen. Daher ist unklar, welche Regeln künftig gelten. 

Das EU-Parlament legte in der Folge die Umsetzung des Zollabkommens zwischen Brüssel und Washington von Sommer 2025 auf Eis, damit steht die zentrale Zollobergrenze von 15% auch auf Pharma-Importe in die USA infrage. Nach Angaben des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) sind pharmazeutische Produkte bislang von Zöllen ausgenommen.