Rezeptpflicht ignoriertSchmerzmittel ohne Rezept: Gericht spricht Kundin Schmerzensgeld zu

Über Jahre hinweg verkaufte ein Apotheker verschreibungspflichtige Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel ohne gültiges Rezept. Für die Folgen muss er nun zahlen: Das Oberlandesgericht Frankfurt spricht einer betroffenen Kundin 8.000 Euro Schmerzensgeld zu – trotz Mitverschuldens.

Mehrere silberne Tabletten-Blisterpackungen mit weißen Pillen liegen übereinander auf einer hellen Oberfläche.
Monika Skolimowska/dpa
Das OL Frankfurt sieht den jahrelangen Verkauf verschreibungspflichtiger Medikamente als bewiesen an. Für den Apotheker heißt das: Trotz der Mitschuld, die der Patientin zur Last gelegt wird, ist ein Schmerzensgeld in Höhe von 8.000 Euro fällig

Ein Apotheker aus Frankfurt muss einer Kundin 8.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, weil ihr in seiner Apotheke über Jahre hinweg verschreibungspflichtige Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel ohne Rezept verkauft worden sind. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt bestätigte in einer nun veröffentlichten Entscheidung einen entsprechenden Anspruch, kürzte die Summe aber gegenüber dem erstinstanzlichen Urteil um 2.000 Euro wegen Mitverschuldens der Frau und teilweiser Verjährung. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Gericht bestätigt Pflichtverletzung

Nach den Feststellungen des Landgerichts, die das OLG nicht beanstandete, hatten der Apotheker oder seine Mitarbeiter der Klägerin von 2015 bis Anfang 2020 «erhebliche Mengen» der abhängig machenden Medikamente ohne gültige ärztliche Verordnung verkauft. Das sei in einem Strafverfahren festgestellt worden. Damit habe er seine Pflichten als Apotheker verletzt

Der Apotheker erklärte dagegen, es habebei jedem Verkauf ein niederländisches Rezept vorgelegen, und er habe auf die Möglichkeit einer Abhängigkeit hingewiesen. Dies wertete das Gericht als Schutzbehauptung. Es komme auch nicht darauf an, ob die Frau bereits vor dem Verkauf medikamentenabhängig gewesen sei, ihre Abhängigkeit wäre sonst aufrechterhalten worden. Die Klägerin begann laut Gericht im März 2020 einen Entzug, ihr Sohn erstattete Strafanzeige.