Mit Geld gegen die LückeThüringer Kommunen setzen auf Förderstipendien gegen Ärztemangel

Thüringen kämpft mit einem massiven Ärztemangel – zahlreiche Arztpraxen stehen leer, weil Nachfolger fehlen. Immer mehr Kommunen versuchen deshalb, Medizinstudierende mit üppigen Stipendien langfristig an ihre Region zu binden. Die Zuschüsse reichen bis zu 1.000 Euro monatlich und sollen vor allem Haus- und Fachärzte in Engpassgebiete locken.

Ein Hausarzt steht in seiner Hausarztpraxis und hält ein Stethoskop.
Sebastian Kahnert/dpa
Thüringer Kommunen bieten hohe Stipendien, um dringend benötigte Haus- und Fachärzte in strukturschwache Regionen zu holen.

Ärztemangel macht Kommunen erfinderisch: Mit Förderstipendien während des Studiums werben inzwischen 7 Thüringer Kommunen um Arztnachwuchs für ihre Region. Solche Stipendienprogramme wurden in den Landkreisen Sonneberg, Schmalkalden-Meiningen, Gotha, Altenburger Land, Greiz und Kyffhäuser sowie in der kreisfreien Stadt Gera aufgelegt, wie aus einer Übersicht der Kassenärztlichen Vereinigung hervorgeht. Es geht vor allem um angehende Haus- und Fachärzte, in manchen Regionen auch um Zahnärzte.

Bedacht werden können Studienanfänger und teils auch bereits Studierende, die sich nach dem Facharztabschluss für eine mehrjährige ärztliche Tätigkeit in der jeweiligen Region verpflichten, zum Beispiel als Betreiber einer Arztpraxis oder als Angestellte im Gesundheitsamt. Die Förderkriterien unterscheiden sich hier in Details.

Kommunale Programme ergänzen das etablierte «Thüringen-Stipendium»

Die Angebote der Kommunen ergänzen das seit mehr als 15 Jahren bestehende «Thüringen-Stipendium» der Stiftung ambulante ärztliche Versorgung Thüringen, mit dem Medizin-Absolventen bei der Weiterbildung zum Facharzt unterstützt werden können – wenn sie sich im Gegenzug verpflichten, danach mindestens 4 Jahre in Thüringen zu arbeiten. Mehr als 4 Millionen Euro hat die von KV und Land getragene Stiftung dafür schon aufgebracht, wie aus deren Website hervorgeht. Allein 2025 wurden 42 Stipendiaten gefördert.

Bis zu 1.000 Euro monatlich: Gemeinden erhöhen den Druck im Wettbewerb

Während beim «Thüringen-Stipendium» monatlich 250 Euro pro Empfänger ausgereicht werden, locken die Kommunen mit teils erheblich höheren Summen. Die Spanne reicht von 500 bis 1.000 Euro im Monat, dieser Höchstbetrag wird im Landkreis Greiz ausgereicht. Gerade für an einer privaten Hochschule studierende junge Leute sei dies eine wichtige Entlastung, sagte Renate Matthes vom Verein für Gesundheit und Soziales, der für die Finanzierung des Stipendiums Gelder von Sponsoren akquiriert. Private Hochschulen erheben Studiengebühren.

Die Stadt Gera bietet bis zu 3 Studierenden pro Kalenderjahr maximal 5 Jahre lang monatlich 750 Euro, im Altenburger Land können seit dem Wintersemester 2024/25 bis zu 2 Studierende monatlich 600 Euro erhalten. Der Landkreis Sonneberg an der thüringisch-bayerischen Landesgrenze hat jetzt von 300 auf 500 Euro im Monat aufgestockt. Dort wird derzeit eine Stipendiatin unterstützt.

Thüringenweit fehlen rund 100 Hausärzte: Der Bedarf wächst weiter

Die längsten Erfahrungen mit einem kommunalen Medizinstipendium hat Schmalkalden-Meiningen. Dort gibt es das Programm seit 2022, inzwischen werden 8 Studierende aus der Region gefördert. Alle Kommunen mit eigenen Stipendienprogrammen gehören schon jetzt zu den Engpass-Regionen bei Hausärzten in Thüringen. So sind allein im Altenburger Land derzeit 8 Hausarztsitze unbesetzt, in Gera 7 und im angrenzenden Landkreis Greiz 8. Im Kreis Gotha und im Kyffhäuserkreis könnten jeweils 6 Hausarztsitze vergeben werden. Thüringenweit werden 100 Hausärzte gesucht.