Längere Wege, bessere BehandlungQualität vor Nähe: Mehrheit setzt auf spezialisierte Kliniken

Die Mehrheit der Menschen in Sachsen-Anhalt ist bereit, für komplexe Eingriffe weitere Distanzen in Kauf zu nehmen – wenn die Qualität stimmt. Eine aktuelle Umfrage zeigt breite Zustimmung zu spezialisierten Krankenhäusern und zur geplanten Klinikreform. Doch was bedeutet das konkret für die Versorgung im ländlichen Raum?
 

Ein Wegweiser mit rotem Kreuz-Symbol vor einem unscharfen Krankenhausgebäude aus Backstein und moderner Fassade
Julian Stratenschulte/dpa
Spezialisierung statt Vollversorgung: Für viele Patientinnen und Patienten zählt die Erfahrung einer Klinik mehr als die kurze Anfahrt.

Einer Umfrage zufolge ist den Sachsen-Anhaltern die Behandlungsqualität wichtiger als die Nähe einer Klinik zu ihrem Wohnort. In einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) gaben 86% der Befragten an, bei einer planbaren aufwendigen Behandlung oder Operation ein Krankenhaus mit umfassender Erfahrung zu wählen, auch wenn dies eine längere Anreise erfordert. 13% würden sich für ein Krankenhaus entscheiden, das gut vom Wohnort aus zu erreichen ist, aber nicht auf die Behandlung spezialisiert.

Klare Priorität: Qualität schlägt Wohnortnähe

Die Befragung ergab laut TK auch, dass die Mehrheit der Menschen in Sachsen-Anhalt strukturelle Neuerungen bei Krankenhäusern unterstützt, die in der aktuellen Reform geplant sind. 79% der Befragten bewerteten das Vorhaben, komplexere Behandlungen künftig in hierfür spezialisierten Häusern zu bündeln als «sehr gut» oder «eher gut». 21% stünden solchen Reformplänen kritisch gegenüber.

Für die telefonische Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa den Angaben zufolge im Februar 2026 insgesamt 1.000 Personen ab 18 Jahren bevölkerungsrepräsentativ für das Bundesland Sachsen-Anhalt.

Krankenhäuser im Wandel: Kooperation statt Konkurrenz

In Sachsen-Anhalt gibt es 44 Krankenhäuser an 53 Standorten. Damit auch künftig Menschen in dünn besiedelten Gebieten gut versorgt sind und Krankenhäuser möglichst wirtschaftlich arbeiten, will Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) noch vor der Landtagswahl im September die gesetzliche Grundlage für eine Klinikreform schaffen. 

Die schwarz-rot-gelbe Koalition soll eine Änderung des Krankenhausgesetzes beschließen. Das Ziel: Krankenhäuser kooperieren stärker und spezialisieren sich auf Behandlungen. Außerdem sollen mehr Leistungen ambulant erbracht werden.