Trotz Mühe glücklichPflegerin des Jahres 2026: Pflege ist mehr als ein Beruf

Sie begleitet Menschen nach schweren Schicksalsschlägen – und bleibt selbst standhaft. Manja Bergmann arbeitet seit 25 Jahren in der Pflege, kennt Belastung, Fachkräftemangel und Schichtdienst. Für sie zählen aber Sinn, Nähe und Selbstfürsorge mehr als perfekte Bedingungen. Jetzt wurde sie – im Vorfeld zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai – zur „Pflegerin des Jahres 2026“ gewählt.

Manja Bergmann, Pflegefachkraft im Querschnittzentrum der BG Klinik Ludwigshafen auf dem Stationsflur.
Uwe Anspach/dpa
Manja Bergmann, Pflegerin des Jahres 2026: Neben fachlicher Pflege setzt sie gezielt auf Selbstfürsorge und neue Ansätze wie Aromapflege, um sich selbst und andere zu stärken.

Der Weg ist einfach, der Job ist es nicht. Wenn Manja Bergmann zur Arbeit fährt, dauert es gerade einmal 5 Minuten. Die 48-Jährige lebt in Oggersheim, arbeitet seit 25 Jahren im Querschnittzentrum der BG Klinik Ludwigshafen – und wurde jetzt von der Initiative Herz & Mut zur «Pflegerin des Jahres 2026» gewählt. Hinter dem bundesweiten Pflege-Award steht der Baden-Badener Personaldienstleister Jobtour medical. Rund 1.000 Pflegekräfte waren vorgeschlagen worden.

Bergmann ist in Hoyerswerda geboren und in Cottbus aufgewachsen. Nach dem Abitur zog sie Ende der 1990er-Jahre nach Mannheim und absolvierte ihre Ausbildung zur Krankenschwester. Auf der Neurochirurgie begegnete sie querschnittgelähmten Patienten. «Ich wollte unbedingt wissen, was nach der Akutphase passiert», sagt sie der Deutschen Presse-Agentur. Sie hospitierte im Querschnittzentrum der BG Klinik –und blieb.

Zwischen Schicksalsschlägen und echter Nähe

Seitdem begleitet sie Menschen, deren Leben sich nach Arbeits- oder Verkehrsunfällen von einer Sekunde auf die andere verändert hat. «Das ist eine unglaublich sinnstiftende Arbeit», sagt sie. Viele Patienten kommen über Jahre immer wieder in die Klinik zurück. «Ich bin Pflegekraft, aber auch Coach, Friseurin oder Entertainerin.» Die langen Beziehungen seien besonders.

Auch privat fand sie ihr Glück in der Klinik. Dort lernte sie ihren Mann kennen. Die beiden haben 2 Kinder. In die Pflege wollen diese allerdings nicht. «Sie sehen natürlich, was das bedeutet – Feiertage, Frühdienste, Schichtarbeit.»

Rahmenbedingungen belasten – Haltung trägt

Bergmann spricht offen über Fachkräftemangel und Belastungen im Beruf. «Wenn ich mein Pflegeglück nur von den Rahmenbedingungen für Pflegekräfte in Deutschland abhängig machen würde, wäre es die perfekte Anleitung zum Unglücklichsein.» Trotzdem verweigere sie sich der Opferrolle. «Ich kann die großen Rahmenbedingungen nicht alleine ändern. Aber ich kann entscheiden, wie ich mich darin bewege.»

Für Mirjam Rienth, Inhaberin des Preisinitiators, steht Bergmann für eine Pflege, die Kompetenz und gelebte Menschlichkeit verbindet. «Sie steht für Hoffnung und Lebensmut und beweist eindrucksvoll mit ihrer Arbeit, dass neue Wege einfach gegangen werden können.» Der Award ist mit 10.000 Euro für 3 Preisträger dotiert. Er wird 2026 zum 10. Mal verliehen. Ausgezeichnet wird anlässlich des Internationalen Tags der Pflege am 12. Mai.

Selbstfürsorge als Teil professioneller Pflege

Bergmann begann früh, sich mit Selbstfürsorge und Stressbewältigung zu beschäftigen. Sie machte eine Yogalehrer-Ausbildung, später kamen Rollstuhl-Yoga, Atemtraining, autogenes Training und Resilienzkurse dazu. Während der Corona-Zeit begann sie, ätherische Öle auf ihre Maske zu träufeln. «Zitrone, Pfefferminze, Grapefruit – Dinge, die mir gutgetan haben.» Die Patienten, aber auch die Kollegen wurden neugierig. Daraus entstand eine Weiterbildung zur Aromapflegeexpertin.

Anerkennung aus dem eigenen Team

Dass ihre Kollegen sie schließlich für die Wahl zur «Pflegerin des Jahres» nominierten, überraschte sie völlig. Als sie als Siegerin feststand, wurde sie unter einem Vorwand in den Aufenthaltsraum gelockt. Dort warteten Teamkollegen mit Musik, Torte und Videobotschaften auf sie. «Das war wie eine Hochzeit», erzählt sie lachend. «Ich war komplett sprachlos.» Kraft geben ihr vor allem Familie, Freunde und Begegnungen. «Keine sozialen Medien, kein Fernsehen – was mir hilft, sind echte Menschen und echte Umarmungen