Sprachprüfung als NadelöhrWeniger ausländische Ärzte absolvieren Sprachprüfung

Sachsen-Anhalt braucht dringend Ärzte aus dem Ausland – doch ausgerechnet die Fachsprachenprüfung wird zur Hürde: Immer weniger Mediziner treten an, rund ein Drittel fällt durch. Während Kliniken auf Zuwanderung setzen, wächst die Sorge, ob Sprachtests die Versorgung bremsen statt sichern.
 

Ein Arzt spricht in einer Bereitschaftspraxis in einem Krankenhaus in einem Untersuchungsraum mit einer Patientin (gestellte Szene). Im Vordergrund liegt Blutdruckmessgerät.
Bernd Weißbrod/dpa
Deutsch als Hürde: Ohne bestandene Fachsprachenprüfung bleibt ausländischen Ärzten der Einsatz im deutschen Gesundheitswesen verwehrt.

Wenn ausländische Ärzte in Sachsen-Anhalt arbeiten wollen, müssen sie einen Deutsch-Sprachtest bestehen. Zuletzt ist die Zahl der Medizinerinnen und Mediziner zurückgegangen, die einen solchen Test absolviert haben.

Weniger Bewerber, hohe Durchfallquote

Wie die Ärztekammer Sachsen-Anhalt auf Nachfrage mitteilte, wurden im vergangenen Jahr 264 Erstprüfungen abgelegt. 2024 waren es 307 gewesen, 2023 insgesamt 315. Hinzu kamen jeweils Wiederholungsprüfungen. Die Durchfallquote ist nicht unerheblich: im vergangenen Jahr lag sie bei 30%, 2024 noch bei 32,8%. In diesem Jahr zeichnet sich ein weiterer Rückgang bei den Prüfungen ab: «Wir verzeichnen aktuell einen Rückgang um knapp 19% im Vergleich zum Vorjahr», so eine Kammersprecherin.

Der Deutschtest für ausländische Ärzte war zum Jahresbeginn 2015 eingeführt worden. Ziel war, die Sprachkenntnisse ausländischer Ärzte genauer zu prüfen. Bis zu den Tests mussten die Mediziner vor ihrer Zulassung nur ein gewisses Sprachniveau nachweisen.

Vier Stufen zur Zulassung

Die Fachsprachenprüfung besteht aus 4 Abschnitten. Zum einen müssen die Mediziner ein Arzt-Patienten-Gespräch führen. Im zweiten Teil geht es um den Umgang mit Patientenakten, um ein Telefonat und die entsprechenden Vokabeln. Außerdem müssen die Ärztinnen und Ärzte eine abschließende zusammenfassende Beurteilung eines Krankheits- oder Behandlungsverlaufs formulieren und schließlich ein Arzt-zu-Arzt-Gespräch führen. Auf die Frage, woran die meisten Mediziner scheitern, erklärte eine Sprecherin der Ärztekammer: «Dies ist individuell und sehr verschieden. Es lassen sich hier keine eindeutigen Tendenzen bezüglich des Schwierigkeitsgrades ausmachen.»

Herkunft ist international, aber ungleich verteilt

Die häufigsten Herkunftsländer der Prüflinge waren Aserbaidschan, Syrien, Ukraine und Russland, wie es weiter hieß. Laut der Ärztekammer sind Aserbaidschaner die größte ausländische Ärztegruppe. Zusammen waren es zum Ende des Jahres 2025 164 Medizinerinnen und Mediziner gewesen mit einem Anteil von 8%, gefolgt von 159 Ukrainern (7,8%), 153 Syrern, 152 Medizinern aus der Russischen Föderation und 151 Rumänen. Viele sind schon jahrelang in Sachsen-Anhalt tätig.

Zur Frage, ob die Sprachprüfung ausreicht, um Kommunikationsprobleme im Alltag zu vermeiden, erklärte die Sprecherin der Ärztekammer: «Es gibt Rückmeldungen aus Kliniken und Arztpraxen, zumeist wohlwollend. Offenbar sind in Einzelfällen qualitative Unterschiede in der Kommunikationskompetenz spürbar. Das liegt beispielsweise auch daran, aus welchem Bundesland sie zu uns kommen.»

Vor allem in Kliniken im Einsatz

Insgesamt gibt es laut der Ärztekammer Sachsen-Anhalt gut 10.300 berufstätige Ärzte, davon etwa 1.900 aus dem Ausland. Die wenigsten der ausländischen Ärzte sind als niedergelassene Mediziner tätig: Es waren zum Jahresende 2025 rund 90. In Krankenhäusern oder Rehakliniken waren den Angaben zufolge etwa 1.600 ausländische Ärzte tätig, angestellt in einer Niederlassung oder einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) waren rund 180.