„Stiller Killer“Hitze wird zur tödlichen Gefahr – Europa muss handeln

Europa heizt sich schneller auf als andere Kontinente – und das hat dramatische Folgen für die Gesundheit. Laut WHOkosteten Hitzewellen in den vergangenen Jahren bereits Hunderttausende Menschen das Leben. Politik und Gesundheitssystem stehen unter Druck: Es gilt schnell eine Antwort auf die Frage zu finden, wie wirksamer Hitzeschutz gelingen kann, denn eigentlich ist er längst überfällig .
 

Ein Thermometer zeigt hohe Temperaturen über 40 Grad Celsius vor blauem Himmel mit intensiver Sonneneinstrahlung.
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Extreme Temperaturen sind längst kein Ausnahmephänomen mehr – sie gefährden besonders ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen und machen gezielte Schutzmaßnahmen unverzichtbar.

Die Länder Europas müssen ihre Bürger nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angesichts der fortschreitenden Klimakrise besser vor Hitze schützen.

Europa im Hitzestress

 «Allein in den letzten 4 Jahrensind europaweit mehr als 200.000 Menschenan den Folgen von Hitze gestorben», so Hans Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa. Hitze sei «ein stiller Killer». Aber einer, den man vermeiden könne. «Wir haben die Instrumente. Nun müssen wir sie nutzen», erklärte Kluge.

Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent – und wir bezahlen dafür mit Menschenleben.

Beim deutschen Hitzeaktionstag in Berlin stellte Kluge gemeinsam mit Bundesumweltminister Carsten Schneider und Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (beide SPD) Maßnahmen zum Schutz vor Hitze vor. Im Fokus stehen ältere und besonders gefährdete Menschen.

Hitzeschutz – auch eine soziale Frage

«Der Klimawandel ist überall auf der Welt zu spüren, auch hier bei uns in Deutschland und Europa», erklärte Schneider. Hitzeschutz sei auch eine soziale Frage, sagte Schneider. Wer in aufgeheizten Wohnungen und dicht bebauten Vierteln lebe, könne sich oft kaum vor Hitze schützen. Abhilfe würden gesenkte CO2-Emissionen sowie städtische Bäume, Parks, intakte Flüsse, Wälder und Moore schaffen. «Die Natur kann uns helfen gegen die Hitze, wenn wir sie lassen», so Schneider. Die WHO hat zudem einen aktualisierten Leitfaden vorgelegt, der unter anderem Hitzewarnsysteme und–– Risikokommunikation verbessern soll. 

Die zunehmende globale Erwärmung sorgt nach Angaben von Klimaexperten für häufigere, heftigere und länger anhaltende Hitzeperioden. Gerade für Ältere, Kranke und andere Risikogruppen birgt das Gefahren, wie man immer wieder in Hitzewellen etwa in Europa beobachten kann. Weltweit führt extreme Hitze nach WHO-Angaben jedes Jahr zu einer Häufung von hitzebedingten Erkrankungen und Gesundheitsbeschwerden bis hin zu vorzeitigen Todesfällen. Hinzu kommen wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe.

Deutschland im Rückstand

Gesundheits- und Klimaexperten halten Deutschland auf Extremhitze bislang nicht ausreichend vorbereitet. Mehr als 150 Organisationen forderten jüngst, Hitzeschutz systematisch in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz zu integrieren. 

In Deutschland sind die Bundesländer und Kommunen für die Erstellung und Umsetzung von Hitzeaktionsplänen und -maßnahmen zuständig. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums verfügen bislang 7 von 16 Bundesländern über einen landesweiten Hitzeaktionsplan, ein weiteres arbeitet daran.