
Mit Blick auf das Rezidivrisiko bei Darmpolypen stehen meist polypenspezifische Kriterien im Fokus. Gemeint sind hier etwa Histologie, Größe, Anzahl der Adenome und Dysplasie. Nicht berücksichtigt werden oftmals hingegen demografische Faktoren.
Personalisierte Medizin braucht breitere Daten
Ein Problem? Ja, sagen Wissenschaftler. Denn genau diese Nichtberücksichtigung demografischer Merkmale führe zu einer Lücke - mit Auswirkungen auf die personalisierte Versorgung Betroffener. Denn Ethnie, Geschlecht, Alter, Adipositas bzw. der Body-Mass-Index oder familiäre Belastung spielen offenbar eine bedeutende Rolle für das Wiederauftreten kolorektaler Adenome, so eine aktuelle Studie.
In die Studie wurden insgesamt 59.667 Patienten einbezogen, die sich zwischen Januar 1990 und Juli 2024 ihrer ersten koloskopischen Polypektomie unterzogen haben. Das mittlere Alter der Teilnehmenden lag bei 60 Jahren. Die Nachbeobachtungszeit teilten die Wissenschaftler in 3 Perioden ein:
- < 5 Jahre
- 5–10 Jahre
- > 10 Jahre
In der Nachbeobachtungszeit kam es bei 29,5 Prozent der Teilnehmenden zu einem Adenomrezidiv.
Frühe versus späte Rezidive: Wer ist besonders gefährdet?
Ein frühes Wiederauftreten, das bedeutet ein Wiederauftreten in einem Zeitraum von weniger als 5 Jahren, war insbesondere bei Männern der Fall. Zudem waren insbesondere Teilnehmende mit Adipositas betroffen. In der mittleren Phase, das heißt nach 5–10 Jahren, kam es vermehrt bei Menschen mit Darmkrebs in der familiären Vorgeschichte zu einem Rezidiv. Über alle Intervalle hinweg hatten männliche Teilnehmer ein anhaltendes Rezidivrisiko, während Menschen mit dunkler Hautfarbe in den ersten beiden Intervallen ein niedriges Rezidivrisiko hatten. Bei Frauen kam es insbesondere im frühen sowie im späten Intervall zu Hochrisiko-Adenomen.
Schlussfolgerung: Risikoprofile neu denken
Aufgrund der Erkenntnisse kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass sowohl histopathologische als auch demografische Faktoren Assoziationen mit dem zeitabhängigen Auftreten von Rezidiven zeigen. Dies unterstreiche die Notwendigkeit von Überwachungsstrategien, bei denen auch zeitliche Variationen und bevölkerungsspezifische Risikoprofile eine Rolle spielen.
Fazit
Neben polypenspezifischen Kriterien sollten immer auch demografische Faktoren berücksichtigt werden, wenn es um das Wiederauftreten von Darmpolypen geht, da diese mit dem zeitabhängigen Auftreten von Rezidiven assoziiert sind.
Quelle: Awan UA et al. JAMA Netw Open 2026: 9: e2556853. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2025.56853


