Nicht nur Polypenmerkmale zählenAuch demografische Faktoren prägen das Rezidivrisiko von Darmpolypen

Daniela Lukaßen-Held

Das Risiko für ein erneutes Auftreten von Darmpolypen wird bislang überwiegend anhand polypenspezifischer Merkmale bewertet. Doch auch demografische Faktoren wie Geschlecht, Alter, Adipositas oder familiäre Belastung beeinflussen das Rezidivrisiko entscheidend – und könnten zu präziseren, personalisierten Überwachungsstrategien führen.

das Innere des Dickdarms mit mehreren unterschiedlich großen Polypen, die aus der Schleimhaut hervortreten
SciePro/stock.adobe.com
Demographische Faktoren spielen eine ebenso wesentliche Rolle beim Wiederauftreten von Darmpolypen wie polypenspezifische Faktoren und sollten in der klinischen Bewertung stärker berücksichtigt werden.

Mit Blick auf das Rezidivrisiko bei Darmpolypen stehen meist polypenspezifische Kriterien im Fokus. Gemeint sind hier etwa Histologie, Größe, Anzahl der Adenome und Dysplasie. Nicht berücksichtigt werden oftmals hingegen demografische Faktoren.

Personalisierte Medizin braucht breitere Daten

Ein Problem? Ja, sagen Wissenschaftler. Denn genau diese Nichtberücksichtigung demografischer Merkmale führe zu einer Lücke - mit Auswirkungen auf die personalisierte Versorgung Betroffener. Denn Ethnie, Geschlecht, Alter, Adipositas bzw. der Body-Mass-Index oder familiäre Belastung spielen offenbar eine bedeutende Rolle für das Wiederauftreten kolorektaler Adenome, so eine aktuelle Studie.

In die Studie wurden insgesamt 59.667 Patienten einbezogen, die sich zwischen Januar 1990 und Juli 2024 ihrer ersten koloskopischen Polypektomie unterzogen haben. Das mittlere Alter der Teilnehmenden lag bei 60 Jahren. Die Nachbeobachtungszeit teilten die Wissenschaftler in 3 Perioden ein:

  • < 5 Jahre
  • 5–10 Jahre
  • > 10 Jahre

In der Nachbeobachtungszeit kam es bei 29,5 Prozent der Teilnehmenden zu einem Adenomrezidiv.

Frühe versus späte Rezidive: Wer ist besonders gefährdet?

Ein frühes Wiederauftreten, das bedeutet ein Wiederauftreten in einem Zeitraum von weniger als 5 Jahren, war insbesondere bei Männern der Fall. Zudem waren insbesondere Teilnehmende mit Adipositas betroffen. In der mittleren Phase, das heißt nach 5–10 Jahren, kam es vermehrt bei Menschen mit Darmkrebs in der familiären Vorgeschichte zu einem Rezidiv. Über alle Intervalle hinweg hatten männliche Teilnehmer ein anhaltendes Rezidivrisiko, während Menschen mit dunkler Hautfarbe in den ersten beiden Intervallen ein niedriges Rezidivrisiko hatten. Bei Frauen kam es insbesondere im frühen sowie im späten Intervall zu Hochrisiko-Adenomen.

Schlussfolgerung: Risikoprofile neu denken

Aufgrund der Erkenntnisse kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass sowohl histopathologische als auch demografische Faktoren Assoziationen mit dem zeitabhängigen Auftreten von Rezidiven zeigen. Dies unterstreiche die Notwendigkeit von Überwachungsstrategien, bei denen auch zeitliche Variationen und bevölkerungsspezifische Risikoprofile eine Rolle spielen.

Fazit

Neben polypenspezifischen Kriterien sollten immer auch demografische Faktoren berücksichtigt werden, wenn es um das Wiederauftreten von Darmpolypen geht, da diese  mit dem zeitabhängigen Auftreten von Rezidiven assoziiert sind.

Quelle: Awan UA et al.  JAMA Netw Open 2026: 9: e2556853. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2025.56853